Berlin-Film-Katalog

(in Vorbereitung)

Rarität des Monats Juli 2018

Die Auswahl an Berlin-Filmen, die in den Kinos wie im Fernsehen läuft, wird immer kleiner. Das Filmbild der Stadt wird dementsprechend von immer weniger Werken geprägt. Und immer mehr Berlin-Filme, darunter auch bedeutende, geraten in Vergessenheit.

Deshalb und um zu zeigen, daß Berlin-Film-Katalog nicht nur auf Geld wartet, gibt es den Jour fixe des selten gezeigten Berlin-Films: Seit Juni 2012 wird jeweils am zweiten Montag im Monat im Brotfabrikkino eine Berlin-Film-Rarität präsentiert.

Vom 9.-11. Juli 2018 (am 9. in Anwesenheit von Maren-Kea Freese und Kirsten Hartung) um 19 Uhr lief

Zoe

D 1998/1999 – 79 Min. – Mini-DV, übertragen auf 35 mm (1:1,66) – Farbe
Regie, Buch: Maren-Kea Freese. Dramaturgische Beratung: Christel Buschmann. Kamera: Matthias Maaß. Kameraassistenz: Alexander Preuß. Licht: Oliver Friederich, Christian Krupka. Regieassistenz: Ana Tipa, Tomislav Turina. Script: Frank Conrad. Ton: Christian Reichelt, Tom Bergsteiner, Manfred Kotzurek, Sabine Bähr. Ausstattung: Rosita Dylka. Ausstatterassistenz: Marie Holzer, Pauline Klünder, Kristin Polke. Kostüm: Elke Maria Beirig. Kostümassistenz: Nele Schrinner. Montage: Gabriele Herms. Montageassistenz: Bernd Latzel. Tonschnitt: Bettina Blickwede. Tonmischung: Alex Leser. Produktionsleitung: Oliver Bauer. Produktionsassistenz: Jona Wirbeleit, Barbara Civka. Aufnahmeleitung: Cordula Sieckmann. Set-Aufnahmeleitung: Claudia Brandt, André Bergelt. Catering: Bianca Rodler. Kameratechnik: Cinerent Berlin. Entwicklung und Lichttonkopie: Geyer Berlin. Titel: Herbert Schramm. Herstellungsleitung dffb: Jörg Großmann. Produzent: Thomas Mertens.
Darsteller: Kirsten Hartung (Zoe), André Meyer (Paul), Eva Weißenborn (Rosi), Wotan Wilke Möhring (Ted), Solveig Arnarsdottir (Manu), Rüdiger Rudolf (Bruno), Volkmar Röhler (Karl), Gudrun Herrbold, Frank Jakob, Herbert Manz, Andreas Genschmar, Alfred Hartung, Silvia Bednarczuk, Jürgen Berner, Nils Willes, Tina Barth, Uwe Hundertmark, Ulrike Beran, Heinz Kreitzsen, Katharina Ortlieb, Julia Seiffert, Monika Holtmann, Giovanni Fantone.
Dank an: Mitarbeiter der dffb, Obdachlosentheater RATTEN 07, Gunter Seidler, Bernhard Schimpf, Hendryk Lehmann, DJ Michele, Eva Hiller, Frau Döring ZBF, Claudia Jacobshagen, Hubert Saier, Heide Woike, Sigrid Bosseler.
Produktion: Ciak Filmproduktion Berlin, Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin mit Unterstützung von ZDF/3sat. Redaktion: Ingrid Gränz.

Uraufführung: 30. Juni 1999, München, Maxx 3 (Filmfest München).

Erstausstrahlung: 17. September 1999, 23.30 Uhr, 3sat.


„Zoe“ heißt auf altgriechisch „Leben“. Wie die Titelheldin dieses Namens im Berlin der späten Neunziger lebt, erweckt eine Mischung aus Bewunderung und Mitleid: Aus der Provinz mit wenig Gepäck in die Hauptstadt gekommen, streunt die Mittzwanzigerin (die einst Carola hieß) durch Berlin, wohnt mal hier, mal dort, schnorrt sich durch, arbeitet als DJ, beginnt Liebesaffairen, wird immer wieder hinausgeworfen und zurückgewiesen, und rappelt sich immer wieder auf. Eine ebenso prekäre wie selbstbestimmte Existenz ist es, die Maren-Kea Freese (Jahrgang 1960) in ihrem ersten abendfüllenden Spielfilm portraitiert, mit dem sie ihr Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin abschloß. Dabei waren die Videoästhetik der Bilder und die Verwendung von Originalton dem geringen Budget geschuldet, zugleich erzeugten sie aber – zumindest in der Vor-Smartphone-Ära – den Eindruck großer Wirklichkeitsnähe.

Für „Zoe“ wurde Maren-Kea Freese, die zuvor schon zahlreiche Kurzfilme gedreht hatte (darunter 1992 auch einen ebenfalls „Zoe“ betitelten), beim Münchner Filmfest 1999 als erste Frau mit dem Regieförderpreis ausgezeichnet. Dennoch fand der auch mit viel Kritikerlob bedachte Streifen keinen Verleih und war entsprechend selten zu sehen. Und derweil auch Kirsten Hartung für ihre Verkörperung der Titelrolle viel Zuspruch erfuhr, kamen zwei damals noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehende Darsteller männlicher Rollen später groß heraus: Wotan Wilke Möhring und André Meyer.

Zwanzig Jahre später wirkt der Film überraschenderweise nicht nur kein bißchen veraltet: Sieht man davon ab, daß viele (insbesondere junge) Menschen mittlerweile glauben, nicht leben zu können, wenn sie nicht dauernd an ihrem Mobiltelephon herumfummeln und es anstarren, könnte „Zoe“ auch von heute sein. So wenig hat sich die Alltagsästhetik in den letzten zwei Dekaden verändert, so wenig haben es auch die Lebensentwürfe oder -versuche manch junger Leute getan. Nur die Freiräume für sie sind – auch und gerade in Berlin – kleiner und weniger geworden.

Maren-Kea Freese heute über ihren Film: „Ich liebe Menschen, im Kino und in der Wirklichkeit, die sich konventionellen Lebensdramaturgien verweigern, die anecken, Brüche zeigen, stark sind und verletzlich, die lieber scheitern, als sich mit Vorsicht über die Runden zu retten. ‚Zoe’ erzählt von einem Lebensgefühl: Der Suche nach Erfüllung und Sehnsucht nach einem Ort, der sich nach Heimat anfühlt; eine Melodie, die vorwärts treibt.“

Unser Flyer zu dieser Rarität. Sie dürfen ihn gern herunterladen, ausdrucken, verteilen oder einrahmen und an die Wand hängen.

Ein Interview mit Maren-Kea Freese in englischer Sprache, das zur Aufführung von „Zoe“ auf der Berlinale 2000 entstand, finden Sie hier.

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J.G.

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Quellen der filmographischen Angaben: Filmformat, Uraufführung: Maren-Kea Freese. Filmlänge: https://www.filmportal.de/film/zoe_ce9869549e334e5eb4a29d79ba7c39b5 (besucht am 21.6.2018). Erstausstrahlung: Tip Nr. 20/1999. Alle anderen Angaben: Originalabspann.

Bilder: Ciak-Filmproduktion/dffb.